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Pride Letters

  • 15. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Ich hätte besser zuhören müssen, aber meine Sinne waren vernebelt. Ich hätte deine Lippen nicht nur küssen sollen, sondern ihnen besser dabei zugesehen, wie sie Worte formen. Dann hätte ich dich verstanden. So aber bin ich lange im Dunklen getappt und damit dir in die Falle. Als Mensch hast du mich gelassen, aber als Mann stand ich auf dem Prüfstand. Mit jedem Satz habe ich mich hinaus gewagt ins Ungewisse. Du aber wusstest es von Anbeginn. Du wusstest, dass du nur Frauen liebst, ich aber wusste nichts davon. So hast du mich verzaubert und mich an deine Lippen und Busen gelassen. Deine Finger hast du nach mir ausgestreckt, obwohl du das lange nicht mehr gemacht hast. Männer interessieren dich nicht mehr. Sie sind Schweine, mehr nicht. Das hast du dann zum Schluss gesagt, als ein neues dieser Schweine vor uns saß und dich übersah. Nur zu mir soll er gesprochen haben und ja, du hattest vielleicht sogar recht damit. Ich selbst wollte sogar ihn übersehen, nur dich nicht. Den Kern deiner Kritik an ihm habe ich verstanden. Weil ich modern sein will, bemühe ich mich um Blicke, die den Augen einer Frau entsprechen, selbst wenn es maßlos ist, das von sich selbst zu behaupten. Aber ich will sehen wie du, hören wie du und mich eben dadurch besser verstehen lernen. Denn mein Herz schlägt nicht taktlos. Männlich schlägt es auch nicht. Es ist klein, mein Herz. In einem Meter und zweiundachtzig Zentimetern, die du mir nicht glaubst, schlummert kein Bärenherz. Vielmehr ist es das einer Eule. Wie heißen weibliche Eulen? Lautlos gleite ich durch diese Welt, bleibe unsichtbar und komme nur nachts heraus. Eben dann, wenn die Sinne schon trüb sind. Wenn ein anderer Vogel mir den Blick verschleiert wie ein grauer Star. Und deshalb habe ich in deiner Gegenwart nichts mehr gespürt, so lange nicht, bis es zu spät war. Du hast nach mir gegriffen und dich hinausgewagt. Aber ich habe nichts davon verstanden. Meine Lenden blieben kalt, die Hüften steif, obwohl du deine warmen Arme um meinen Hals geschlungen hast. Deine Finger in meinen Haaren, deine Hand in meiner. Wärme. Trockene Haut in schwüler Nacht. An deinem Busen ein silberner Pfeil, der ins Rote zielt. Dort, wo er steckt, kann ich nicht niemals sein. Kein Platz für mich in deinem Herzen, ich verstehe jetzt. Meine Fehler häuften sich von Stunde zu Stunde. Am Ende war auch ich nur ein Schwein von vielen. Zu sehr in einer Mission verhaftet, zu wenig im Moment. Dafür meine ich gelernt zu haben, danke zumindest – das will ich noch sagen.

 
 

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