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Ich will üben. Kürzer schreiben, prägnanter, knallhart auf den Punkt gebracht. Meist schreibe ich zu blumig. Dachte immer, das kommt gut, zeugt von sprachlicher Stärke. Aber das Gegenteil ist der Fall. Schirach weiß das. Strafverteidiger, Anwälte, Richter vielleicht generell. Muss ja alles präzise sein, im Recht. Sonst sitzt jemand zu lang und ein anderer zu wenig. Schuld muss gerecht bewertet werden. Und ich mache mich schuldig an dir, wenn ich zu blumig schreibe. Also verwende ich jetzt ein Wort auch zweimal. Ist einfacher. Oben blumig, gerade blumig und jetzt schon wieder. Was soll’s! Ich hoffe, du verstehst mich. Und verzeihst mir? Gleichzeitig plagt mich die Frage, wo und ob und wenn ja, wie ich den Rotstift nun ansetzen soll? Schwamm drüber! Feucht vielleicht, wie beim Tafelputzen. Abziehen nicht vergessen! Darin war ich immer gut. Zu Schulzeiten liebte ich es, die Tafel zu putzen. Speziell in Fächern, in denen ich schlecht war. Wenn die Tür aufging und der Lehrer eintrat, stand ich bereits vorn und putzte sie brav. Hoffte, dass mich das vor der Abfrage bewahrt. War ja schon da, muss nicht gleich wieder hin. Wer sie säubert, darf sie nicht beschmieren. Aufgaben sollten klar verteilt sein. Gerecht muss es zugehen, dachte ich mir. Aber Schule ist oft nicht gerecht und manchmal stand ich dann trotzdem wieder an der Tafel. Doch sie blieb leer. Wusste ja nichts. Und jetzt sitze ich auf meiner Couch und schreibe brav, ohne irgendwas davor abgezogen zu haben. 8 Uhr morgens, keine Abfrage. Kein Lehrer, der mich zu Dingen zwingt, die ich nicht machen kann. Üben, üben, üben. Gräßliches Mantra. Hat damals nicht funktioniert, geht heute schon besser. Schön ist es deshalb noch immer nicht. Aber Meister fallen bekanntlich nicht vom Himmel, also heute mal üben. Was soll’s, Schwamm drüber.


Verschiedene Pinsel und Werkzeuge, aufgereiht auf einem Tisch in einem speziellen Holzgestell

Andere verbinden sich und verbinden damit viele andere. Sie binden sich und schweißen uns aneinander. Unzertrennlich sind wir jetzt. Gemeinsam haben wir ein Paar und uns selbst gefeiert. Sie haben sich einander versprochen und uns damit die Chance gegeben miteinander zu sprechen. Und nun reden wir wie wild untereinander, weil ihre Hochzeit noch lange und dauerhaft nachhallt. So wurde aus einer Bindung eine Vielzahl an neuen Verbundenheiten. Wir konnten uns erst deshalb verknüpfen, weil sich zwei Weitreisende dazu entschlossen, ihre Herzen und Welten für sich und uns alle zu öffnen. Weil sie verstanden haben, dass die stärkste Verbindung eine offene ist. Offenheit ist das Band, an dem wir uns festhalten müssen, weil uns kein anderes im Leben hält. Verbinden wir uns also! Als Menschen, als Tiere, als Pflanzen und Lebewesen aller Art. Egal ob als Paar, Freunde, Gruppen oder zu einer Gemeinschaft. Verwobenes Leben, eng verstrickte Bande. Sie nehmen uns die Angst vor der dunklen Einsamkeit. Was kümmert uns das Licht am Ende des Tunnels, solange er nach oben hin offen ist? Und so sind wir aufgebrochen, uns drei Tage lang fallen zu lassen. Ohne Netz, an einem See in einem Wald und ohne Schuhe, die uns auf den Boden der Tatsachen holen. Barfuß feierten, tanzten und waren wir. Ein Festival der Sinne, für zwei Seelen und jede dort anwesende. Und irgendwann war er dann doch wieder da, der feste Untergrund einer Straße, mit der wir zurück in unsere Leben finden. Aber jetzt schweben wir über ihm und beschwingt in alle Himmelsrichtungen davon.


Ein frisch verheiratetes Ehepaar läuft durch eine Hochzeitsgesellschaft, die es mit Reis bewirft.

  • 26. Juli 2023

Badegäste wie Maden im Speck, verbrennen sich die eingeölten Leiber ungeschützt im künstlich aufgehäuften Sand, dazu Currywurst und Pommes rotweiss. Es ist warm im Sommer, heiß sogar, und das Wasser kippt schon fast. Aber die Damen und Herren vor dem Zapfhahn am Kiosk sind schneller. Mit Zigarette im Mund stürzen sie kühles Bier in ihre trockenen Kehlen, wippen dazu leicht, bevor sie den Rückweg zum Strandkorb antreten und träge über den sandigen Promenadenboden schlürfen. Hoch oben in seinem Turm steht stolz der Bademeister mit Kappe und Fernglas bestückt leicht an die Reling seiner Aussichtsplattform gelehnt. Mit kurzen, aber scharfen Pfeiftönen mahnt er zur Vorsicht beim Sprung vom Steg, stützt dazu die Linke in die schmale Hüfte und greift ein wenig in den Rand seiner roten Badehose hinein. Sie ist es, nicht nur das weiße Polohemd, die ihn in Amt und Würden hält und seine Stellung untermauert: der Mann ist Rettungsschwimmer obendrein! Ein braungebrannter »Sani« im Sonnenlicht. Ein Lifesaver, mit Weitsicht und Tiefblick sogar, bis weit in den Bereich der freien Körperkultur hinein. Nur muss er dort selten pfeifen, weil Nacktheit vor Dummheit zu schützen scheint, herumgetollt und geglotzt wird bei den FKKlern jedenfalls kaum und einen eigenen Kiosk gibt es dort nicht, folglich auch kein schwitziges Schlangengedränge und feuchtes Ausschnittgucken. Diese Dinge bleiben dem Textilbereich vorbehalten, denn offen getragene Nacktheit spannt nicht auf die Wollustfolter, dafür aber knappe Badekleidung. So liegt die Mehrheit Mensch modisch eingeschnürt, mal verschämt und manchmal kaum verhüllt, höchst aufgeladen im Normalbereich, der zwar klare Grenzen kennt, aber diese kaum zu schützen weiß. Deshalb trillert es auch dann vom Turm hinab ins Reich der bunten Badeschlüpfer, wenn Wasser keine Rolle spielt. Denn die Gefahr liegt im Strandbad vor allem am leicht verdeckten Ufer.


Bild von einem Strandband in Berlin mit unzähligen Badegästen und Menschen an einem Sandstrand.

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